Kritik zu Juno

Juno Originaltitel: Juno Produktionsjahr: 2008 Herstellungsland: USA Regie: Jason Reitman Darsteller: Ellen Page...

Öffentlich
25. März 2008
Kritik zu Juno

Juno

Copyright: Fox

Originaltitel: Juno
Produktionsjahr: 2008
Herstellungsland: USA
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, Jason Bateman, Allison Janney, J.K. Simmons, Olivia Thirlby, Eileen Pedde, Rainn Wilson u.a.

Juno MacGuff ist ein 16jähriges Collegegirl aus der amerikanischen Mittelschicht. Der leibliche Vater Mac arbeitet als Installateur von Heizungen und Klimaanlagen und erfüllte sich mit diesem Job nach eigenen Aussagen seinen ganz persönlichen Lebenstraum. Die angeheiratete Stiefmutter Bren ist süchtig nach Hunden, darf sich aber keinen kaufen, weil Juno auf Hundespeichel allergisch reagiert. Die Stiefschwester von Juno ist laut Bren nicht die hellste Kerze im Leuchter, geht aber in dem ihr aufgezwungenen Eiskunstlauf vollkommen auf. Zumindest hat es den Anschein. Kurzum: Junos Leben scheint mehr schlecht als recht vor sich hinzumäandern, doch irgendwann soll sich das alles ändern ...

Alles begann mit einem Sessel ...

Dem Sessel nämlich, in dem Juno ihren Freund Paulie deflorierte. Leider soll sich herausstellen, dass dieser Geschlechtsakt alles andere als folgenlos bleibt. Denn Juno wird schwanger. In ihrem ungeheuren Pragmatismus, der Junebug (wie sie ihre Stiefmutter gerne nennt) beständig begleitet, ist der einzige Ausweg schnell ins Auge gefasst. Blöd nur, dass eine einzige Abtreibungsgegnerin vor der örtlichen Klinik mit dem Argument: „Dein Fötus hat schon Fingernägel“ genug Schuldgefühle in Juno weckt, dass sie den kleinen Zeitvernichter - wie sie ihren "Braten in der Röhre" unter anderem auch gerne nennt - nicht abtreiben lässt. Doch was tun? Juno beschließt das Kind zur Adoption freizugeben. Nicht irgendwem. Cool müssen die neuen Eltern schon sein. Saucool. Dennoch fällt ihre Wahl erstaunlicherweise auf die nach außen hin ungeheuer normalen und langweiligen Lorings, die sich längst ein Kind zur Vervollständigung ihrer Liebe wünschen, es aber aus eigener Kraft nicht zeugen können. Juno beschließt, in Mac und Vanessa die richtigen Eltern gefunden zu haben und sichert ihnen ihre Leibesfrucht zu. Doch in den bevorstehenden weiteren knapp sechs Monaten wird noch verdammt viel passieren ...

Wer nun glaubt, er könne nach dieser Inhaltsangabe bereits das Gutmenschende erahnen und wisse schon, wie die ganze Chose ausgehen muss, der wird sich von Juno ein ums andere mal ins Boxhorn gejagt sehen. Denn Vorhersehbarkeit gehört nicht unbedingt zu den Schwächen, die man Juno ankreiden könnte. Viel mehr schlägt die Handlung immer wieder kleine, aber feine Haken, die dem Storyverlauf immer wieder neues Leben einhauchen und durchaus auch für Spannung in Hinsicht auf das Ende sorgen. Durch diese beständige Unvorhersehbarkeit rettet sich Juno auch durch Momente, in denen irgendwie so gar nichts Großartiges zu passieren scheint. Auch entzieht sich der Aufbau von Juno dem üblichen Konstrukt ähnlich gelagerter amerikanischer Komödien, die eben zumeist extrem witzig beginnen und dann etwa ab Filmmitte in dramaturgischen Untiefen versumpfen und es so nicht einmal ansatzweise schaffen, das angeschlagene Tempo des Einstieges zu halten. Juno dagegen bleibt trotz zunehmender Dramatisierung immer sehr witzig und verliert niemals seinen beständig leichten Unterton. Hauptgrund dafür sind die lebensnahen, viel Esprit und Wortwitz atmenden, grandiosen Dialoge, die von ebenfalls hervorragenden Darstellern vorgetragen werden.

Allen voran natürlich Ellen Page (Hard Candy) als Juno, die hier eine wahre Meisterleistung abliefert und einen Charakter etabliert, der trotz einer relativ verhalten optimistischen Weltsicht immer sympathisch und glaubwürdig erscheint und den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen hineinzieht und mit der Kleinen mitfiebern lässt. Zwar wird die Fähigkeit Junos, in jeder Situation einen lockeren Spruch auf den Lippen zu haben, mit der Zeit etwas anstrengend, da ihre Oneliner aber allesamt irgendwie verdammt zitationswürdig herüberkommen, verzeiht man diese kleine Schwäche nur zu gern. Ellen Page ist der Motor, das Herz und die Seele von Juno und die Oscarnominierung mehr als nur verdient.

Dabei wird sie nach Kräften von einem sehr guten Nebendarstellercast unterstützt. In Erinnerung bleiben dabei die herrlich granteligen Eltern Junos und natürlich die Lorings. Die Eltern werden gespielt von Allison Janney und J.K. Simmons. Beide sind leider etwas wenig im Film zu sehen, haben aber beide absolut grandiose Auftritte vom oscargekrönten Drehbuch aus der Feder von Diablo Cody zugeschanzt bekommen und verblüffen immer wieder mit herrlich trockenen Kommentaren und modernen Ansichten, die man ihnen so nicht zugetraut hätte. Als die Lorings, die Junos Kind adoptieren wollen, agieren nach Operation Kingdom Jennifer Garner und Jason Bateman bereits zum zweiten Mal gemeinsam auf der großen Leinwand und wissen auch in ihrer neuerlichen Zusammenarbeit gut zu gefallen. Dabei hat Bateman den einfacheren Part abbekommen, da er einfach nur einen sympathischen Charmebolzen geben muss, was ihm gut von der Hand geht. Hollywoods Darling Jennifer Garner hat es dagegen deutlich schwerer. Ihre Rolle wirkt vor allem zu Beginn aufgrund ihres Nesttriebes überhaupt nicht greifbar oder sympathisch, was sich auch lange Zeit nicht wirklich ändert. Allerdings ist dies für die zunehmende dramatische Zuspitzung in Juno dringend erforderlich und wie zum Ausgleich bekommt Jennifer Garner dann gegen Ende des Filmes einige echt wunderschöne Gänsehautszenen zugestanden. Eine weitere wichtige Rolle hat Michael Cera inne, dem in Form knallgelber und potthässlicher Sporthosen ganz übel mitgespielt wird. Dass seine Figur trotz dieser Running Gag Ausrichtung niemals der Lächerlichkeit preisgegeben wird und sie immer eine gewisse Grundwürde behalten darf, zeigt zum Einen, wie stark der junge Kerl aufzuspielen versteht und zum Anderen, wie sensibel Regisseur Jason Reitman mit den Figuren aus der Drehbuchvorlage umgeht.

Reitman selber inszeniert den Film (sicher auch aus Budgetgründen) mit sehr gedeckten Farben in teils recht tristen, eher schmutzigen Bildern, um den Mittelstandsansatz hervorzuheben. Eher selten brechen sich gesättigte Farben Bahn und wirklich geleckt wird seine Optik nur im Umfeld des adoptionswilligen, wohlsituierten Ehepaares. Ansonsten inszeniert Reitman mit ruhiger Hand und konzentriert sich voll und ganz auf die geballte Wortgewalt des Drehbuches, ohne sich auch nur ansatzweise irgendeiner Art von Eskapismus hinzugeben. Zur musikalischen Untermalung nutzt er einen recht interessanten, alles andere als alltäglichen Score, zusammengestellt von Matt Messina.

Die großen Vorzüge von Juno sind die warmherzige, wendungsreiche und alles andere als vorhersehbare Story, die tollen Dialoge und Monologe der Figuren, die starken Darsteller und der grandiose Humor, der sich niemals in irgendwelche Fäkalwitzregionen hinab begeben muss, um zu funktionieren. Obendrein gefällt, dass der Film niemals wertet, seine Figuren nicht verurteilt und sich davor hütet, den Zuschauer belehren oder mit einer aufdringlichen Moral belasten zu wollen. Probleme hat Juno eigentlich nur gegen Ende, wenn dem Streifen ein wenig die Luft ausgeht, bzw. das Hauptaugenmerk auf den dramatischen Aspekt der Geschichte gelegt wird. Hier schleicht sich dann durchaus die eine oder andere Länge ein, fällt dabei aber wahrlich niemals sonderlich ins Gewicht. Auch muss man nach Ansicht des Filmes konstatieren, dass der nach Jahreszeiten eingeteilte Streifen über weite Strecken gar nicht allzu viel zu erzählen hat, dies aber eben durch die teils brillanten Dialoge mühelos wieder ausgleicht. Etwas störend empfand ich, dass vor allem gegen Ende das Geschwätz über Glaubensgebilde bzw. von einer göttlichen Macht überdurchschnittlich zunahm, ohne irgendwie in der Geschichte selbst verankert zu sein. Letztendlich empfiehlt sich Juno all jenen, die kleine und vollkommen authentisch wirkende Geschichten, die mitten aus dem Leben gerissen zu sein scheinen, lieben. Eine weitere Zielgruppe (zu der ich gehöre) sind die, die mit dem vor allem in Kritikerkreisen gehypten, thematisch nicht ganz unähnlichen Streifen „Beim ersten Mal“ so gar nichts anfangen konnten. Juno präsentiert sich nämlich als ungleich intelligentere Variante des jegliche Gags plattwalzenden Judd Apatow Vehikels mit der unsäglichen Katherine Heigl.

In diesem Sinne:
freeman
06. April 2008

So ist das mit den Geschmäckern, also ich fand JUNO total langweilig.

Ich kann gar nicht sagen wie oft ich schon von Filmen enttäuscht wurde, die im Vorfeld als unbedingt sehenswert angepriesen wurden. Man geht mit einer großen Erwartung ins Kino und wartet ständig auf einen Gag. Hier habe ich vergebens auf einen gewartet, einzig und allein als running gag, die ständig immer wieder durch Filmchen laufende Gruppe von Läufern. Allerdings erschloß sich mir dieser Gag als solcher auch nicht.

Entweder ist der Film stark geschnitten worden, so dass die einzelnen Filmsequenzen nicht nahtlos aneinander reihten und irgendwie nicht logisch aufgebaut wirkten. Und noch etwas, es befremdet auch, dass eine 16jährige mit einem derartig großen Auto unterwegs ist, so als wenn es selbstverständlich wäre, dass Jugendliche in Amerika sich derart fortbewegen. Die Vater-Tochter-Beziehung war auch ein wenig zu schön gefärbt, schön wäre es ja wenn sie immer von derartiger Harmonie geprägt wäre. Aber reagieren Eltern nicht ersteinmal anders wenn sie erfahren, dass ihre 16jährige ein Kind erwartet?

Kino ist teuer und für dieses Filmchen 8.50 Euro zu bezahlen, lohnt sich aus meiner Sicht nicht.
07. April 2008

Schade, dass er dir net gefallen hat ...

Allerdings fand ich die Eltern Tochter Beziehung im Allgemeinen sehr witzig. In diesem Film wurde durch die Beziehung Vater Tochter endlich auch mal klar, warum die kleene Juno so ein loses Mundwerk hatte. Sie hatte es offensichtlich vom Vater geerbt. Ich frage mich ja bei anderen Filmen mit so schnippischen Kindern immer, wo die das immer her haben, weil die meist unglaublich spießige oder eben drangsalierende Eltern haben. Und mit einem solchen Umfeld lernt man nicht so eine lose Zunge, wie sie Juno hat ...

Dahingehend fand ich dann die Reaktion der Eltern einfach nur göttlich, wie sie meinten, sie hätten eigentlich geglaubt, sie sei von der Schule geflogen oder ein Junkie geworden ...

Aber bei Komödien gehe ich eh immer mit allen Bewertungen sofort konform, ohne das irgendwie anfechten zu wollen, denn Komödien sind meines Erachtens eines der schwierigsten Genres im Film überhaupt, weil es einfach kein universelles Rezept für Humor gibt, dass bei allen wirkt. Bei einem wirkt der angeschlagene Humor, bei anderen nicht ...

Teste mal bitte vom gleichen Regisseur den Streifen Thank you for Smoking! Da herrscht eine ganz andere Form von Humor vor, vielleicht ist das deine Art Humor?

In diesem Sinne:
freeman
14. April 2008

Naja ich fand ichn ganz cool was mir sehr gefiel war vor allem Junos art
"Braten in der Röhre"

lg. Flo

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