[DVD] Kritik zu Fighting Tiger

Fighting Tiger Originaltitel: Kinta Herstellungsland: Malaysia Erscheinungsjahr: 2008 Regie: C.L.

Öffentlich
02. Juli 2009
[DVD] Kritik zu Fighting Tiger

Fighting Tiger

Copyright aller Bilder: Sunfilm

Originaltitel: Kinta
Herstellungsland: Malaysia
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: C.L. Hor
Darsteller: David Bao, Michael Chin, Robin Ho, Zulkifli Ismail, Patrick Teoh, Kuan Fei Jun, Anita Kwan, Shawn Lee, Albert Yuen u.a.

Chile drängte mit seinem fantasievollen Kickerstreifen Kiltro ins internationale Rampenlicht und Vietnam schickte den höchst gelungenen The Rebel in die Spur, um auf seine Filmindustrie aufmerksam zu machen. Nun schickt sich das ebenfalls nicht unbedingt als Actionfilmnation bekannte Malaysia an, den Filmfans auf der Welt zu zeigen, wo der Prügelbauer den Most holt. Das Ergebnis heißt Kinta und wurde in unseren Breiten auf den „tollen“ Titel Fighting Tiger getauft.

--------------Story----------------

Darin fabuliert man von einer Zeit, als Malaysia in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte, weil man in dem Land gigantische Zinnvorkommen ausgemacht hatte, an dem sich vor allem die ohnehin Reichen des Landes noch gesünder stoßen konnten, während die Armut das restliche Land weiterhin in ihrem eisernen Griff hielt. Dennoch setzte ein richtiger Zinnrausch ein und sogar Chinesen drängten in das Land, um hier ihr Glück zu machen. Was sie erwartete, war aber nicht mehr und nicht weniger als Fronarbeit zu lächerlichen Löhnen und ein menschenunwürdiges Leben. Als sich der Vorarbeiter einer Gruppe Chinesen an den Besitzer einer Zinngrube wendet, um die Lebensbedingungen für seine Arbeiter zu verbessern, lässt der Grubenbesitzer alle Chinesen meucheln und durch andere, noch billigere Arbeitskräfte ersetzen. Nur der Vorarbeiter und vier besonders geübte Kung Fu Fighter überleben das Massaker und schwören Rache. Als der Grubenbesitzer ein Turnier ausschreibt, bei dem über einen Martial Arts Wettkampf der neue Grubenvorarbeiter bestimmt werden soll, scheint die Stunde der Rachsüchtigen gekommen zu sein ...


--------------Kritik----------------

Dass Kinta von Anbeginn an als Prestigeproduktion des jungen Filmlandes Malaysia geplant war, sieht man in jeder einzelnen Einstellung des Filmes. Leider bricht der Film unter dieser selbstauferlegten Last komplett zusammen. Das Drehbuch und die letztendliche Story ist eine wirre Abfolge von Einzelszenen, die nie ineinander greifen wollen und vollkommen zerfahrenes Stückwerk zur Folge haben. Zu Beginn scheint alles noch in Ordnung. Die Grundsituation wird etabliert, das Massaker steigt und man lehnt sich wohlig lächelnd in seinem Sessel zurück, beseelt von der Ahnung, dass die nächsten Minuten sehr unterhaltsam werden könnten.

Doch dann steigt eine ellenlange Rückblende, die dem Film überhaupt nichts bringt und nur noch einmal erklärt, was aufgrund der bisher gezeigten Geschehnisse bereits offensichtlich war. Dann beginnen in der Rückblende noch weitere Rückblenden, man switcht in die Gegenwart, wieder Flashbacks, dann eine ins Leere laufende Liebesgeschichte und irgendwann hat man als Zuschauer keinerlei Ahnung mehr, was nun eigentlich gerade auf dem Bildschirm abgeht bzw. wer da nun gegen wen intrigiert. Hoffnungslos verloren und angeödet ist man fortan dabei, wie der Film immer und immer länger wird, ohne so richtig zum Punkt zu kommen. Wenn dann auf einmal aus heiterem Himmel angedeutet wird, dass ein Martial Arts Turnier stattfinden soll, steigt die Aufmerksamkeit blitzartig an.


Doch entgegen aller Hoffnungen kommt Kinta immer noch nicht zu Potte! Es wird eine absolut lächerliche und aus dem Nichts kommende Intrige gesponnen, die die vier Kampfkunstfreunde entzweit, es wird wieder ewig gelabert und wieder passiert ... nichts! Die letzten zehn Minuten geschieht dann, was eigentlich schon vor 30 Minuten hätte erfolgen sollen: Die Action steigt ... und enttäuscht ...

Zwar zog man für die Action die Creme de la Creme der Kampfsportkunst zusammen (mehrere Wushu und Tai Chi Meister!), lässt diese aber nie von der Leine! Die Choreographien des verantwortlichen Choreographen Chin Kar Lok sind zwar wundervoll geerdet und direkt, lassen aber jegliche Finessen oder spektakuläre Moves komplett missen. Gerade im Showdown hätte er einfach mehr zeigen müssen, zumal vor allem der Tiger Darsteller Michael Chin hier überdeutlich andeutet, was ginge, wenn er nur dürfte. Und so kommt nie echte Begeisterung auf und die berühmten Momente, bei denen man im Sessel sitzt und die härtesten Kicks und Schläge nachfühlt oder durch Zucken des eigenen Körpers noch verstärkt, bleiben komplett aus. Zudem hatte man die seltsame Idee, per Computer ein wenig CGI Blut einzufügen. Selbiges mutet weniger wie Blut denn wie gezeichnete Farbkleckse an und verleiht den überwiegend brutal harten Fights eine comiceske Anmutung, die obendrein null mit dem angeschlagenen düsteren Grundton des Filmes harmonisiert. Verschenkt.

Gerade im Schauspielbereich wird ganz offensichtlich, wie verfahren das ganze Projekt Kinta letztlich eben ist ... Die Hauptdarsteller sind durchweg Kampfsportler, die nicht das machen dürfen, was sie können und stattdessen machen müssen, was sie nicht können. Die Folge ist Overacting und eine wenig glaubwürdige Figurenentwicklung. Die Nichtkampfsportler im Cast beschränken sich zumeist auf irres Gelächter (die Bösen) und auf schmachtende Blicke (die Damenwelt). Wirklich positiv kann man eigentlich nur den bereits erwähnten Tiger Darsteller Michael Chin hervorheben, weil man spürt, dass da unter der jugendlich braven Oberfläche ein kleiner Kampfsportvulkan brodelt.


Darsteller schlecht, Action für die Tonne und die Story kann nichts. Im Grunde das Todesurteil für jeden Film, doch Fighting Tiger hat zumindest einen Punkt, in dem man so gut wie alles richtig macht. Denn rein vom technischen her ist der Streifen ein megaedles Brett mit tollen Kamerafahrten (sehr häufig kamen auch Kamerakräne zum Einsatz!), einem saucoolen Animationsintro, hochwertigen Braunfilterbildern und einem in den Actionszenen dynamischen, niemals die Übersicht nehmenden Schnitt. Auch der unter den Bildern tönende Soundtrack macht mit ein paar starken Songs richtig Laune, lässt die Action druckvoller geraten und macht vor allem das irre, turniervorbereitende Training zu einem echten Erlebnis.

--------------Fazit----------------

Dennoch ist Fighting Tiger / Kinta eine Prestigeproduktion, die nicht wirklich neugierig auf weitere filmische Ausstöße des Herkunftslandes macht. Zwar ging der Film im Laufe des Produktionsprozesses buchstäblich durch die Hölle (Mehrere Schnitt- und Drehbuchfassungen, Anpassungen auf den finanziell wichtigen westlichen Markt und und und), was es schwer macht, ihm richtig böse zu sein, letztlich ist das Ergebnis aber nur enttäuschend. Die Story ist komplett zerfahren, der elend schmierige Off Kommentar und die Off Selbstgespräche der Hauptfiguren sind komplett lächerlich, die Action will einfach nicht rocken und die Darsteller sind durchweg komplett überfordert. Zumindest hinsichtlich der technischen Belange ist Kinta großartig ... Leider wird letztendlich viel zu wenig Blendwerk abgefeuert, um den Film wirklich gut finden zu können ...

Die deutsche DVD kommt von Sunfilm, ist mit einer FSK 16 uncut und für eine Prestigeproduktion mehr als mau ausgestattet.

In diesem Sinne:
freeman
02. Juli 2009
Der Film geht am Thema vorbei...

Die Provinz Kinta ist ja von den Holländern und Briten dann von den Chinesen und zuletzt von den Japanern wegen ihrer Bodenschätze immer wieder geplündert worden. Und wie bei fast allen anderen Kampfsportfilmen, wird auf solche brutalo - Effekte viel gesetzt, das ist aber für das europäische Publikum egal, die gehen deswegen hin und kaum wer kennt Geschichte und kaum wen interessieren Sozialkritik und richtiges Kung fu. Diese Meister lassen sich nämlich nicht so gerne filmen. Es kann sein dass er dann nicht mehr lange lebt.. *zwinker*
02. Juli 2009

und kaum wen interessieren Sozialkritik und richtiges Kung fu.

Von beiden gibts eben leider fast nix im Film ...

In diesem Sinne:
freeman
02. Juli 2009
@kungfucharlie & freeman

Kennt ihr einen Kung-Fu-Film (evt. auch eine Doku), in der diese philosophische Kampfsportart & ihre Meister richtig dargestellt sind? Könnt ihr was empfehlen?

Danke & Gruß
Njoy
02. Juli 2009
@ NJ_o_y

Ich glaube, da ich aus jener Zeit (1970 - 1978) einen Meister kannte, der mir erzählte, dass Bruce Lee wegen seiner Darstellung eines Kampfstils im Film, ermordet wurde. Jener Mann war aus Malaysia und bis zu seinem 36. Lebensjahr in einem Zen - Kloster. Er kannte den Filmstar offenbar persönlich, denn die Details die er schilderte waren erstaunlich. Seine Fähigkeiten auch. Er bewegte sich wie ein Affe, konnte einen Raum über die Decke durchqueren, und eine in die Luft geworfene Kokosnuss zerbarst auf seiner ausgestreckten Hand wie eine Granate. Er arbeitete als Koch in Bermuda, wo ich mit ihm ein appartement teilte und ihn so sehr gut kennenlernte. Da er sein 'Leben lang nie von einem Tier gegessen hatte, waren die Fische im Meer zu ihm sonderbar zahm. Er fing sie mit der Hand und entlies sie wieder. Das zeigte er aber kaum wen den er nicht besser kannte. Als ich eine rippe gebrochen hatgte heilte er mich mit einer stark riechenden schwarzen Substanz indem er mir täglich die verletzte Stelle damit massierte.

Er meinte, Bruce Lee sei ermordet worden, weil in seinen filmen gewisse Geheinisse offenbart worden sind, die ein Kung fu Meister nie und nimmer der Öffentlichkeit preisgeben würde. Was das war konnte ich nie entdecken.

Weils mir just einfällt: Die Fernsehserie Kungfu mit dem eben verstorbenen Schauspieler hat mir eigentlich gut gefallen, dort übertreibt man nicht. Kung Fu hat tausende Stile, das beginnt bei geistigem Kungfu in hunderten Facetten und endet nie. Es ist im Prinzip ein Ausräumen von Mängeln an sich selbst. Ein Syssiphus - Job.

Im Prinzip geht es dabei um die totale Individualisierung des Geistes. Das Ziel ist Einzigartigeit, das ist das Schöne daran, dass die Fähigkeiten wenn sie ihre höchste Form erreicht haben, nicht mehr auffallen.
Dazu gibts auch gute Lehrfilme, die man einfach im Internet sucht unter den Begriffen Kungfu Lehrfilm oder so. gut ist wenn man in englischer Sprache sucht, da gibt es mehr.

Zur Filmkritik muß man noch anmerken, daß solche Filme grauslich schlecht synchronisiert werden. Da geht fast alles verloren.

Beste Grüße
03. Juli 2009
@kungfucharlie

...ist ja superinteressant, was Du erzählst. Da kriegt man echt Lust, sich alte Bruce-Lee-Filme anzusehen (und auch die Serie mit Carradine, aber wo gäbe es die zu finden?) Hoffe nur, dass man wegen der Geheimnisse nicht auch plötzlich einen tödlichen Handkantenschlag ins Genick kriegt...:-)
03. Juli 2009

Einen exzellenten neueren Martial Arts Film den ich Euch unbedingt empfehlen möchte ist "IP MAN" der kantonesische Lehrer von Bruce Lee aus Foshan (30min von hier :)) . Der Film hat auch einen sehr angenehmen und professionallen Stil und auch die Action kommt nicht zu kurz also rundum empfehlenswert.
03. Juli 2009

...und so was findet man in einer gut sortierten Videothek? Wäre sehr interessant, danke für den Tipp.
03. Juli 2009

Der Film ist zwar auch auf imdb.com bekannt und ist eine teure Hong Kong Proudktion gewesen glaube ich aber keine Ahnung ob der im Westen auch so bekannt ist. In China war er ein grosser Erfolg vor ein paar Monaten. Ansonsten kannst Du ja mal auf youku Dein Glück versuchen und ihn sogar auf original Kantonesisch hören.
03. Juli 2009

IP MAN mit Donnie Yen (sein größter Erfolg bis dato) von Wilson Yip (der den hier bereits vorgestellten hervorragenden Kill Zone gemacht hat ... zum Review) ist noch nicht wirklich im Westen angekommen, aber ich denke mal, in spätestens einem Jahr wird es soweit sein ...

Zum Thema "Ermorden wegen Kampfstil zeigen" behaupte ich einfach mal, dass da viel Legenden- und Mythenbildung mit reinspielt, einfach weil Bruce Lees Tod bis heute viele Rätsel aufgibt. Genau so gibt es Quellen, die behaupten, er sei von Triadenmitgliedern wegen Unterweltverstrickungen getötet wurden. Während die offizielle Version am glaubwürdigsten anmutet und die spricht von einer allergischen Reaktion auf ein Schmerzmittel. Gerade wenns um solche Ikonen geht, sollte man net immer alles glauben *zwinker*

Die erwähnte Synchro ist bei dem Film absolut in Ordnung ... die Probleme liegen im Film selbst ...

Filme mit etwas genauerem Bezug zum Kampfsport und neuerem Datums: Fearless mit Jet Li und der südkoreanische Fighter in the Wind! Beide in gut sortierten Videotheken zu finden ...

In diesem Sinne:
freeman

Mehr zu [DVD] Kritik zu Fighting Tiger


Interessante Gruppen zum Thema

  • Multimedia

    Multimedia

    Wir texten über alles was mit Heimkino, 3D, TV-Empfang, Endgeräten der Unterhaltungselektronik etc. zu tun hat
  • Kurzgeschichten

    Kurzgeschichten

    Hier seid Ihr eingeladen, Eure eigenen Kurzgeschichten - ob nun erotisch, witzig, frech-frivol oder nachdenkli
  • BDSM

    BDSM

    Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism. Hier geht es um die härtere Gangart.