![]() | 21. Juli 2009 [DVD] Kritik zu JCVD JCVD Originaltitel: J.C.V.D. Herstellungsland: Belgien / Frankreich / Luxemburg Erscheinungsjahr: 2008 Regie: Mabrouk El Mechri Darsteller: Jean Claude Van Damme, François Damiens, Zinedine Soualem, Karim Belkhadra, Jean-François Wolff, Anne Paulicevich, Kim Hermans u.a. Am Ende seines großartigen Monologs, in dem Jean Claude van Damme nach etwa 70 Minuten des Filmes JCVD über sein Leben sinniert und selbst unfeine Kapitel nicht auslässt, fragt er den Zuschauer, was er der Welt hinterlassen habe. Er kommt zu keinem wirklich positiven Ende. Doch das ist alles andere als wahr. Denn als echter Actionfan und Jean Claude Anhänger war ich seinerzeit dabei, wie der Mime anlässlich seiner Promotionstour zu dem Fremdenlegionärsfilm „Der Legionär“ Leipzig aufsuchte. Schon zwei Wochen vor diesem Event – einer der letzten Premieren eines van Damme Filmes auf deutschen Leinwänden – hatte ich meine Karte gesichert und nichts anderes war vor dem Event zwischen meinen Kumpels (die auch mitkamen und Fans waren!) und mir Thema. Als es soweit war, erlebten wir einen locker gelösten, sehr kleinen, eloquenten Actionstar, der sich von Herzen bei uns – seinen Fans – bedankte, ein paar coole Elvisposen abfeuerte, einige Witze riss und uns viel Spaß für den Abend wünschte. Der Film war fraglos in Ordnung, aber die Begegnung mit dem Idol letztlich sehr kurz. Dennoch beherrschte sie noch Wochen später unseren Erlebnishorizont in Form von: „Weißt du noch“ Erzählungen. Heute bin aus meinem Freundeskreis nur noch ich dem van Damme geblieben, aber ich weiß noch heute, was wir damals alle wussten: Der van Damme hat zumindest für UNSERE Welt einiges geleistet. Wir haben mit ihm Dolph Lundgren in Universal Soldier vermöbelt, übten jahrelang seinen Spagat, ohne ihn hinzubekommen, und freuten uns bereits Wochen vor dem Kinostart eines neuen Van Damme Filmes auf dieses Ereignis. Und egal wie schlecht oder gut der Film auch war, wir konnten noch lange danach darüber diskutieren. Keine Ahnung, ob derartig subjektiv gefärbte Berichte dem Jean Claude etwas bringen und ihn ein positiveres Fazit in Hinblick auf seine Leistungen ziehen lassen würden. Was ich aber weiß, ist, dass er zumindest mit seinem Streifen JCVD etwas Besonderes für die Welt geschaffen hat. Einen Film, der beweist, dass sich der immer als etwas arg exzentrisch verschriene Star bei Weitem selbst nicht so ernst nimmt, wie man es ihm immer vorwarf und der den Menschen Jean Claude van Damme durchaus ein wenig greifbarer werden lässt, ohne zu heillosem Stargefeier oder kitschigem Schwulst zu verkommen. Und ganz nebenbei ist auch noch eine großartige Räuberpistole herausgekommen, die auch ohne Kenntnis des Jean Claude van Damme Starlebens enorm gut zu unterhalten vermag. ---------------Story------------------ Dabei geht es eben um Jean Claude van Damme, der sich gerade am Tiefpunkt seiner Karriere befindet. Die Exfrau fordert das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter ein und der gegnerische Anwalt macht van Damme aufgrund der in seinen Filmen transportierten Gewalttätigkeiten fertig. Den eigenen Anwalt kann Jean Claude auch nicht mehr bezahlen. Um dem Stress zu entkommen, will er eine Art Urlaub in seiner Heimat bei seiner Familie abhalten. Also bricht er gen Belgien auf und will für seinen Aufenthalt auf einer Post etwas Geld abheben. Da schlittert er in einen gerade laufenden Überfall, in dessen Verlauf irgendwann Jean Claude von der herbeieilenden Polizei für den Überfallinitiator gehalten wird. Und während vor der Post Jean Claudes Leben immer weiter demontiert wird, versucht er in der Post die eigentlichen Räuber zu beruhigen und die Situation zu retten. ---------------Kritik------------------ Dabei heraus kommt ein Film, der zum einen sehr intelligent vertrackt erzählt ist und häufig in der Erzählzeit hin und her springt, um verschiedene Perspektiven auf die Ereignisse zu beleuchten. Dabei muss man zugeben, dass die Trailer im Umfeld von JCVD einen leicht falschen Eindruck in Bezug auf den Film weckten. Denn diese schienen einen Streifen zu versprechen, der sich vor allem auf das „Jean Claude spielt van Damme in einem Film über van Damme“ Element zu verlassen und daraus viel selbstreflexiven Humor zu der Medienpersönlichkeit seines Stars zu schöpfen schien. Nebenbei versprachen sie auch eine Art Karikatur aller einstigen Actionhelden. Doch der fertige Film bedient sich dieser Elemente nur sehr verhalten. Natürlich darf van Damme auch mal selbstironisch über sich und seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit herziehen, letztlich sind diese Elmente aber so stringent in den Film und dessen zunehmend mehr und mehr eskalierende Handlung integriert, dass einem das Lachen eher im Halse stecken bleibt, als zum handlungsantreibenden Moment zu mutieren. Und das ist keineswegs negativ gemeint und soll auch keine Enttäuschung meinerseits transportieren. Es soll nur ausdrücken, dass dieser Film sich absolut mit Respekt auf seine Hauptfigur einlässt, sie nicht der Lächerlichkeit preisgibt, gleichzeitig dunkle Momente aus JCVDs Karriere nicht ausblendet und auch keine einfachen Entschuldigungen liefert. Und das macht diesen Film rundum sympathisch und van Damme gleich mit. Das Hauptaugenmerk liegt dennoch immer auf dem Banküberfall und wie sich bei selbigem die Situation immer weiter verschärft. Van Damme selbst ist dabei eben eher eine Art zufälliges Element. Es hätte auch ein Nobody in die Bank stolpern können, die Geschichte würde dennoch durchaus noch funktionieren, was an der gewitzten Regie des jungen Mabrouk El Mechri liegt, der mit viel Verve eine Guy Ritchie’eske Räuberpistole aufspannt und mit viel Tempo und eigenwilligem Stil am Laufen hält, auch wenn ihr zum Ende hin etwas die Puste ausgeht. Damit ist el Mechri die erste große Entdeckung des Filmes, die zweite ist das Schauspieltalent von Jean Claude. Ok, er muss nur sich selbst spielen, wie er das macht, hat aber absolut Klasse und war so wohl niemals zu erwarten. Zwar ließ er in seine neueren Projekte a la Wake of Death und Until Death immer mal wieder kleinere schauspielerische Glanzlichter einfließen, was er hier aber abbrennt, hätte ihm wohl niemand jemals zugetraut. Alleine sein eingangs erwähnter Monolog dürfte ihm, so sich denn van Damme Neulinge oder Hasser an diesen Film herantrauen, so manchen neuen Fan bescheren bzw. Zweifler bekehren, denn so offen und ehrlich hat wohl bisher noch niemand in einem Film die Hosen heruntergelassen. Als Actionfan musste ich freilich am meisten schmunzeln, wenn er über das Business herzieht: Da ist John Woo schon einmal eine Lusche, Seagal wird verlacht und auch die billigen Ostblockactionfilme, die derzeit dem Genre mehr schaden, als ihm zu nützen und die leider auch van Damme bedienen MUSS, bekommen ordentlich ihr Fett weg. Oder wenn van Damme sich selbst am Ende ein Heldenende erträumt, nur um dann gleich wieder stande pede von der Wirklichkeit eingeholt zu werden. Hier jagt ein großer Moment den nächsten. ---------------Fazit------------------ Und selbst eine nette Actionszene gibt es im Film zu bestaunen. Nämlich dann, wenn van Damme zu Beginn in einer minutenlangen Plansequenz diverse Halunken vermöbelt, nur um sich danach mit einem jungen, blasierten Hongkongschnöselregisseur zu streiten, der dem keuchenden und hilflosen Exstar mit bloßer Verachtung entgegentritt. Eine tolle Eröffnung für einen tollen Film ... der weniger Karikatur eines Helden ist, als es zu Beginn den Anschein gehabt hatte. Stattdessen gibt es einen durchweg gelungenen Streifen, der sich seinem Helden respektvoll annähert, ihm großartige Momente zuschustert, ohne in Schleimspuren auszurutschen, und dabei niemals seine eigentliche Geschichte aus den Augen verliert. Diese wird in coole, braunstichige Bilder gewandet, mit Schwung erzählt, hat einen lässig groovenden Funksoundtrack an Bord und präsentiert einen jungen, fraglos talentierten Regisseur, dem auch ohne Jean Claude eine große Karriere bevorstehen dürfte. Die deutsche DVD von KochMedia ist mit einer FSK 16 uncut und kommt als Kaufversion mit einer ordentlichen Ladung an Extras. In diesem Sinne: freeman |
![]() | 21. Juli 2009 Waaaaahhhhh! FREEMAN! You rock! Und Van Damme rules! |
![]() | 21. Juli 2009 Donge In diesem Sinne: freeman |
![]() | 21. Juli 2009 ja ja der Spagat ... *grins* Bleibe immer noch nachts auf, wenn die netten Filme wiederholt werden und die Szene im Wohnwagen .... seufz .... Vielen Dank für den tollen Bericht, da wäre mir doch fast wieder was entgangen! |
![]() | 22. Juli 2009 Gerne doch Ich liebe einfach die Filme mit den Recken längst vergangener Tage In diesem Sinne: freeman |
![]() | 22. Juli 2009 ich habe den film relativ unvoreingenommen gesehen und kann deiner kritik und beschreibung einiges abgewinnen... ich fand es einfach toll zu sehen, daß der gealterte monsieur van damme tatsächlich mittlerweile gelernt hat gefühl in sein schauspiel zu legen. der film ist tatsächlich voll humor und melancholie und hat auch von den bildern her erstaunliche momente.. gerade die szene in der van damme kurz vor (wie mir scheint tatsächlich echten) tränen steht und sogar einige vergiesst und dann wieder in den ort der handlung, die post, "geschwenkt" wird... ein film der zwar nicht für den martialarts-freak geeignet ist, aber auf leute wie mich die mit van damme aufgewachsen sind und mittlerweile eine ernsthaftere sichtweise auf das leben haben eine große wirkung haben kann.. empfehlenswert. |
![]() | 28. Juli 2009 Muss auch sagen das ich den alten Tagen nachweine !! Aber JCVD ist wirklich TOP !!! |
![]() | 24. August 2009 Ein starker Film! Van Damme hat mir in "später Jugend" Irgendwie eine tragische Karriere, weil sie, trotz sehr guter Voraussetzungen, immer ein bis zwei Schritte der aktuellen Genre-Entwicklung hinterher gelaufen ist. Genau diese Tragik kommt hier zum Ausdruck. Van Damme kann hier noch einmal ein bisschen Action zeigen - viel mehr Platz hat er aber für Schauspiel ( ja, er kann es! ) und fürs Mensch sein. So geht für mich eine würdevolle Hommage! Weniger ein Action- oder Spannungsfilm; dafür gibt es jede Menge Selbstironie und hintergründigen Humor ( ausgerechnet Seagal schnappt ihm eine Rolle weg... Für Fans ein Muss, um der guten, alten Zeiten willen! Selbst wer Van Damme und das Genre nur geringschätzend oder verlachend betrachtet, dürfte hier eine interessante, neue Betrachtungsweise finden. Persönlich würde es mich sehr freuen, wenn über JCVD auch Van Damme noch einmal, a la Mickey Rourke, einen filmischen Aufschwung erleben könnte! Ob das Remake von Universal Soldier mit Lundgren dabei behilflich ist, bezweifele ich zwar, aber angeschaut wird es trotzdem... |