![]() | 25. Juni 2011 Kritik zu "Beginners" Beginners Originaltitel: Beginners Produktionsjahr: 2011 Herstellungsland: USA Regie: Mike Mills Darsteller: Ewan McGregor (Oliver), Melanie Laurent (Anna), Christopher Plummer (Hal) Wenn man den Trailer sieht oder nur eine kurze Inhaltsangabe gelesen hat, könnte man den Eindruck gewinnen, es handelt sich um einen konventionellen, heiter-sentimentalen Liebesfilm. Tatsächlich ist "Beginners" ziemlich tiefgründig und hebt sich sowohl inhaltlich wie auch formal ab vom gängigen Mainstreamkino. Erzählt wird die Begegnung zweier nicht mehr ganz junger Menschen - Oliver und Anna -, die sich auf einer Party kennenlernen, ineinander verlieben, aufgrund ihrer familiär-biografischen Vorgeschichten aber große Probleme haben, sich verbindlich auf eine Beziehung einzulassen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Hal, der Vater von Oliver; als prägende Figur, als negatives, letztlich aber auch wieder positives Beispiel, wie man sein Leben führen kann: Nachdem er jahrzehntelang sein Schwulsein unterdrückt und eine Zweckehe geführt hat, findet er mit weit über 70 nach dem Tod der Ehefrau den Mut zum Coming out und lebt sich noch einige Jahre aus, bevor er an Krebs stirbt. Der Film berührt Themen wie die Prägung durch Gesellschaft und Erziehung und die Schwierigkeiten vieler Menschen, selbst im fortgeschrittenen Alter zu ihrer eigenen Identität zu stehen, aber auch die Angst vor Kontrollverlust, wenn man sich anderen anvertraut und sich so verletzbar macht. Bemerkenswerterweise behält "Beginners" trotz aller Ernsthaftigkeit und Traurigkeit der Situation immer auch eine gewisse Leichtigkeit und eine optimistische Grundstimmung (und es gibt durchaus auch einige sehr lustige Szenen). Neben den schauspielerischen Leistungen der Darsteller (großartig auch die in Rückblenden gezeigte frustrierte Mutter von Oliver) sind unbedingt die formalen Einfälle und die Komposition des Films erwähnenswert. Das Verhältnis zwischen Anna und Oliver entwickelt sich nicht geradlinig, sondern bleibt bis zum Schluß ambivalent. Es gibt Annäherungen, Distanzierungen und eine erneute Annäherung, aber es bleibt offen, ob sie es schaffen, zusammen zu bleiben oder nicht, selbst wenn beide den Wunsch dazu haben. Denn trotz ihrer Liebe ist die Veränderung ihrer eingefahrenen Lebensweisen für sie eine Riesenhürde. Dementsprechend wird die Geschichte der beiden auch nicht linear erzählt, sondern mit vielen reflektierenden Einschüben, in denen Hal zum Beispiel mit seinem Hund "spricht" oder aus dem Off Bilder aus seiner Jugendzeit, aber auch aus der Zeit, als seine Eltern jung waren, kommentiert. Dabei kommen alte Familienfotos, aber auch einiges an dokumentarischem Material zum Einsatz, zum Beispiel Zeitungsausschnitte über die Diskriminierung von Schwulen und die Anfänge der Gay-Pride-Bewegung in den USA. Sehr schön ist eine kurze Sequenz, in der man nichts weiter auf der Leinwand sieht als nacheinander die einzelnen Farben der Regenbogenflagge. Die Szenen, in denen Anna und Oliver auftreten, sind mit jenen, in denen Oliver mit seinem Vater auftritt, so selbstverständlich verschränkt, daß man die ganze Zeit fast den Eindruck hat, er würde noch leben. Vor kurzem gab es einen deutschen Film im Kino, den ich auch sehr interessant fand, "Wer, wenn nicht wir" (über die Dreiecksliebesgeschichte zwischen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Bernward Vesper). Das ist zwar ein völlig anderes Thema, aber auch darin ging es um gesellschaftliche und familiäre Verkrampfungen, die generationenübergreifend zu Beziehungsstörungen führen. Und auch darin wurde auf dokumentarisches Filmmaterial zurückgegriffen, um die gesellschaftliche Atmosphäre der Nachkriegszeit lebendig werden zu lassen. "Beginners" ist (wie der Titel schon andeutet) definitiv der optimistischere Film. |
![]() | 29. Juni 2011 Danke für die interessante Kritik! Ich habe selbige mal ein wenig aufgehübscht In diesem Sinne: freeman |